Historie

Das Wort Historie [hɪsˈtoːʀi̯ə] (die Betonung liegt auf dem „o“, das abschließende „e“ wird als Schwundform der lateinischen Variante historia gesprochen) bezeichnet bis in das 18. Jahrhundert den Bericht, die einzelne Nachricht, die einzelne Geschichte, die Erzählung, ob fiktional oder wahr. Speziell in der Geschichtswissenschaft werden viele umfassend erzählende antike und mittelalterliche Geschichtswerke als Historien bezeichnet. Zusammensetzungen wie „Universal-Historie“ oder „Kirchen-Historie“ kamen im 17. Jahrhundert auf, um einen Bereich der Weltgeschichte zu bilden. Das Wort verschwand im deutschen Sprachgebrauch weitgehend, als im 19. Jahrhundert die Geschichtswissenschaft aufgebaut wurde. Es bewahrt heute eine eigenständige Bedeutung in der Shakespeare-Forschung, die der Gliederung Rechnung trägt, die sich in der ersten postumen Shakespeare-Ausgabe, der Folio-Edition von 1623, findet. Sie unterscheidet zwischen Comedies, Histories und Tragedies: Komödien, Historien (oder Historien-Dramen) und Tragödien. In der Frühe-Neuzeit-Forschung wird das Wort insbesondere dann benutzt, wenn man darauf verzichten will, rückwirkend Texte zu eindeutig als fiktionale Literatur zu verbuchen. Das Problem ist hier in der Regel, dass diese Texte eher undifferenziert als erbauliche, lehrreiche Erzählungen, Berichte, schlicht „Historien“, eingestuft wurden, ohne intensivere Diskussion ihrer Faktizität. Das mittelalterliche und frühneuzeitliche Sprechen von Historien geht seinerseits auf ein antikes zurück.
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